Kielfeder
  Das Mädchen
 
"Das Mädchen

Ein Notizblock auf dem Schoß und ein Lächeln auf den Lippen. Glückselig fliegt ihr Stift über das blütenweiße Papier. In ihrem Kopf arbeitet es unaufhörlich und ihre Finger zucken nervös. Wenn sich ihr Kopf prüfend senkt, steht die Zeit still. Man könnte schlichtweg das Gefühl haben, als hielte sie den Atem an. Stunden könnten vergehen und sie würde nur in ihren Gedanken verweilen und ruhen. Wenn der Wind zärtlich durch ihr haselnussbraunes Haar streicht, liegen ihre Hände still auf den Seiten. Ihre Augen scheinen zu verschwimmen mit der Tiefgründigkeit der Worte.
Plötzlich hebt sie den Kopf und ihr Blick streift in meilenweite Ferne. Kaum ein Zwinkern unterbricht ihr unaufhörliches Starren.
Plötzlich löst sich eine große Träne aus ihren dichten Wimpern. Ihre Finger erreichen sie kaum, so schnell rollt sie über das schmale Gesicht. Ihre Finger wischen sich fahrig über die leicht gerötete Haut. Sie erhebt sich und schließt ihre Notizen eilig. Ein Junge nähert sich zaghaft. Kein Wort des Grußes fällt. Aus ihrer einzelnen Träne werden Zwillinge, Drillinge, ein ganzer Strom. Sie fällt ihm um den Hals und flüstert kurz etwas zu ihm.
„Ich dachte, du würdest nie wieder kommen!“
Ein flüchtiger Kuss streift seine Wange wie ein Windhauch.
„Mein liebster Bruder.“





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