Kielfeder
  Das Fest der Liebe
 
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Das Fest der Liebe

 

Überall immer nur Weihnachtstüten, Lichterketten, Plätzchen, Kinder, Weihnachtsmänner und rot - überall ist es rot und bunt. Und das jedes Jahr aufs Neue!

Grimmig schlurfte der alte Mann durch die dünne Schneeschicht. Die Einkaufsstraße war sehr belebt. Überall roch es nach süßen Leckereien, viele Kinder sprangen zwischen den Beinen und Tüten hin und her und es summte wie in einem Bienenstock. Dieses Jahr hatte es auch schon früh begonnen zu schneien und alle Menschen freuten sich auf eine weiße Weihnacht - nur einer nicht.

Er schaute missmutig in die lachenden Gesichter, verständnislos über so viel Freude. War das Jahr nicht hart genug gewesen? Es blieb einfach zu viel Geld übrig, das für den ganzen Klüngel verwendet werden konnte. Wären die Leute alle in seiner Zeit geboren, hätten sie sich eher Gedanken um das Essen, als um den ganzen unwichtigen Kram gemacht. Wie sich die Zeiten doch änderten!

Er war so tief in Gedanken versunken, dass er den Kinderschlitten vor seinen Füßen nicht bemerkte. Prompt fiel er darüber und blieb im unberührten Weiß am Straßenrand liegen. Enttäuschung, Trauer und Wut rangen in ihm. Mühsam stemmte er sich hoch und schimpfte erbost mit dem kleinen Jungen, der erschrocken zu ihm hinab blickte: „Du kleiner Rotzlöffel! Was fällt dir eigentlich ein? Was stehst du da so nutzlos im Wege herum? Als ich in deinem Alter war, da durfte ich schuften…!“

Hilflos kullerten dem kleinen Kerl die Tränen über die Wangen.

„Zu meiner Zeit hätte es etwas gesetzt, mein Junge. Und jetzt heulst du auch noch!? Willst du später denn mal kein starker Mann werden…? Was soll bloß aus dir werden?“

Der alte Mann hatte sich heftig in Rage geredet und unterstützte dies mit hocherhobener Faust und heftigen Gesten.

Da trat eine Frau vor den weinenden Jungen, welche sich als dessen Mutter herausstellte und ihn mit Nachdruck verteidigte: „Warum reden sie so mit meinem Jungen? Es kann doch mal passieren, dass Kinder etwas im Wege stehen lassen. Er ist doch erst 5 und sie waren doch wohl auch mal klein! Lassen sie Gnade walten, wir haben doch in wenigen Tagen Weihnachten. Da sollte man nett zu allen Menschen sein. Es ist auch das Fest der Liebe.“

„Was wissen sie schon über Liebe und Weihnachten?“

Das Gesicht des Mannes verzerrte sich schmerzhaft und das Wasser stieg ihm in die Augen.

Die Mutter des Jungen kniete sich nieder und nahm ihn in den Arm. Er begann hemmungslos an ihrer Schulter zu schluchzen.

Sie ließ ihn gewähren und versuchte ihn mit sanften Worten zu trösten. Ihr tat der Mann leid.

 „Möchten sie als kleine Entschädigung für die Unachtsamkeit meines Sohnes mit zu uns kommen?“

Etwas erstaunt hob er den Kopf. Seine Augen waren gerötet und ihm war die Situation nun sichtlich peinlich. Zumal sich schon eine beträchtliche Menge Schaulustiger um die Szene geschart hatte.

Der Junge stand ebenfalls schrecklich verlegen daneben und hielt das Seil seines Schlittens krampfhaft umklammert.

Zu ihm sagte der Mann zaghaft lächelnd und etwas verkrampft: „Ich heiße Justus und ich habe leider nie einen Schlitten besessen. Möchtest du mir vielleicht bei Gelegenheit zeigen, wie man damit fährt?“

Eilfertig nickte der Junge ihm zu. Seine Mutter lächelte und half Justus auf die Beine, während die umstehenden Menschen klatschten. Sie bildeten eine Gasse, während sie sich bei Justus unterhakte und ihren Sohn bei der Hand nahm.

 






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